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17. Mai 2012

Letztes Update:20:46:22

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Ein Leben auf der Überholspur

UW76SP-Ein_Leben_auf_derNach all dem Schaden und der Zerstörung, die wir Menschen unserer Umwelt zugefügt haben, ist es nötig, wieder in Einklang mit dieser Welt zu kommen. Aber wie nur? Es bedarf der Hingabe und Demut.
Der gebrochene Flügel des Schmetterlings bleibt uns modernen Menschen verborgen. Wir sind uns seiner prachtvollen Schöpfung nie bewusst geworden. Er ist nicht von Menschenhand, nicht aus Plastik oder Stahl, er ist ein Kunstwerk der Natur, die im Gewahrsein der Vollendung nur einen Zweck verfolgt: dem Göttlichen nahe zu sein. Wir verfolgen andere Ziele. Unsere Schöpfung befriedigt unseren Spieltrieb, gibt vor, die Menschheit zu retten, und ist doch nur ein Machwerk mit dem Anspruch von Profit und Besitzgier.

„Gott schläft im Stein, atmet in der Pflanze, träumt im Tier und erwacht im Menschen." – Mit dieser einfachen Weltanschauung gibt der Tibeter ein Zeugnis von seiner Sichtweise der Verschmelzung des Göttlichen mit dem Irdischen, des Makrokosmos mit dem Mikrokosmos. Wer so denkt, lebt in einer tiefen spirituellen Wahrnehmung, die den Schmerz des Verlustes kennt. Die Achtung vor der Schöpfung ist eingebunden in den inneren Frieden, in die Gelassenheit, die wortlos sich dem Staunen hingibt, ohne zu fragen, wer kostbarer ist, der Mensch oder der Stein. Wir moderne aufgeklärte Menschen haben die Sinnlichkeit der Wahrnehmung verloren und sind deshalb außerstande, diese Welt zu achten und ihre Wunder zu bewahren.

Heilung durch Hingabe

Nach dem Ursprung der Welt und der Schöpfungsgeschichte zu fragen, war in archaisch-animistischen Gesellschaften immer der Auftrag von Weisen, Medizinmännern, Curanderos, Magiern und Schamanen. Durch Visionen und in Trance traten sie in direkten Kontakt mit der Welt der Dämonen, Wesenheiten und Götter und gewannen dadurch Einblick in die großen kosmischen Zusammenhänge. Eine Gesellschaft, die ein solch dämonisch-götterverehrendes Weltbild entwickelte, legte traditionellerweise auch die Kunst des Heilens in die Hände solch außergewöhnlicher Menschen, denen es vorbehalten war, im Kontakt mit den Wesenheiten des Universums den Prozess der Heilung einzuleiten. Diese Form der Heilung blieb jedoch nicht nur auf den Menschen beschränkt, sondern war ein Prozess der tiefen Hingabe an Mutter Erde mit dem unverrückbaren Glauben, auch ihre Wunden heilen zu können. Wir heilen durch Beton und Asphalt, aber Asphalt kann kein Wundpflaster für eine tiefe Verletzung der Erde sein und unser Bemühen, einen Baum zu pflanzen, keine Rechtfertigung für das Abholzen der letzten Urwälder. Es benötigt mehr, um wieder in Einklang mit den Wesenheiten dieser Welt zu kommen, es benötigt Hingabe und Demut. Diesen Weg sollten wir beschreiten. Sich vor den Menschen, denen man Schaden zugefügt hat, zu verneigen, wie es im Augenblick japanische Minister vor ihrem verstrahlten Volk tun, ist noch lange keine Demut oder Aussöhnung mit geschändeten Menschen und zerstörter Natur.

Heilung fußt auf der Erkenntnis der Ursachen

Buddha Shakyamuni, der Buddha der Medizin, spricht in der ‚Zweiten Edlen Wahrheit' davon, dass der Ursprung des Leidens im unvollendeten Verständnis für die Bedingungen und Auslösefaktoren liegt, denen wir als Menschen im lebenslangen Zyklus zwischen Leiden und Glück unterworfen sind. Der Tibetischen Medizin zufolge kann auch die Heilung von Krankheiten erst beginnen, wenn wir die Ursachen der Krankheit vollständig begriffen, also mental erfasst haben. Ein kühner Gedanke, der Viren, Bakterien und Pilze als Auslöser zahlreicher Krankheiten in einem anderen Licht erscheinen lässt, sie gleichsam in die Welt der Emotionen hereinnimmt. Steht somit vor der Infektion des Körpers mit schädlichen Mikroorganismen die Infektion meiner Seele durch die Seinsgifte? Machen Gier, Hass und Verblendung mich erst empfänglich für den Angriff der Mikroben?

Naturgesetze gelten immer und überall, aber selten in der Medizin

Es ist paradox, wir kennen in der modernen Medizin des 21. Jahrhunderts den Begriff der Vernetzung von Seele und Körper, dürfen jedoch in treuer Gefolgschaft von René Descartes (Begründer des modernen frühneuzeitlichen Rationalismus, den Spinoza, Malebranche und Leibniz kritisch-konstruktiv weitergeführt haben) diesem Vernetzungsprinzip nicht folgen. Wir müssen standhaft jeden Zusammenhang zwischen Psyche, Geist, Seele und Leib leugnen. Eine Anerkennung solcher Zusammenhänge brächte eine Weltordnung in Gefahr, die auf dem mechanistischen Prinzip basierend eine ‚Medizin als Baukasten' mit Ersatzteilen und ausgeklügelten Reparatursystemen etabliert hat.

Von Descartes stammt der berühmte Ausspruch „Ich denke, also bin ich", welcher die Grundlage seiner Metaphysik bildet und unser selbstherrliches Verstehen der Welt ins Unermessliche gesteigert hat. Seine Auffassung bezüglich der Existenz zweier miteinander wechselwirkender, voneinander aber verschiedener und nicht vereinbarer ‚Substanzen' wie Geist und Materie (Leib) sind gemeinsam mit den Prinzipien der Naturphilosophie Isaac Newtons zum Inbegriff der naturwissenschaftlichen Wahrheiten geworden.

Dass wir diese Geisteshaltung noch immer nicht über Bord werfen konnten, kann man im Buch der zeitgenössischen österreichischen Autoren Gruber, Oberhummer und Puntigam nachlesen. Das Taschenbuch ‚Wer nichts weiß, muss alles glauben' ist eine pointierte Abrechnung mit Spiritualität und Esoterik und versteht sich als Darstellung der Erfolgsgeschichte der Menschheit durch die Allmacht geltender physikalischer Prinzipien. Wie schnell wir uns in unseren naturwissenschaftlichen Erkenntnissen irren oder wie sehr wir Unmögliches für möglich erklären müssen, kann man an den neuesten medizinischen Erkenntnissen zu Entzündungserkrankungen ablesen. Jahrzehntelang war unser Entzündungsweltbild geprägt von ‚bösen' Bakterien und Viren, die uns überfallen. Neuerdings müssen wir aber erkennen, dass Entzündung auch aus dem Mangel oder Überfluss von konsumierten Nährstoffen kommen kann. Der Begriff der Metaflammation etwa bezeichnet den Prozess der Entzündung (Inflammation) ohne mikrobiellen oder viralen Einfluss, einzig und allein als Fehlfunktion jener Stoffwechselprozesse, die wir Metabolismus nennen (Hotamisligil et al.).

Fettleibigkeit wird hierbei, ebenso wie Magersucht, enttarnt als eine Stoffwechselstörung, bei welcher der Energiehaushalt in Unordnung geraten ist. Dicksein wird zur chronischen Entzündung und Krebs kann auch als eine fortdauernde Wundheilung verstanden werden, der es nicht gelingt, die entzündete Wunde dauerhaft zu kurieren (Schäfer et al.).

Auch Physiker können Krebs bekommen und nur Demut und mentale Stärke kann ihnen den Weg der Selbstheilung zeigen, mathematische Gesetzmäßigkeiten bleiben außen vor und verlieren innerhalb der erworbenen Eigenschaften von Tumorzellen ihre Bedeutung. Die Dosis des Tumortherapeutikums lässt sich berechnen, der Ausgang der Krise nicht.



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